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Beyond Borders

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Der Klimawandel und seine Rolle bei Migration und Konflikten

Jedes der letzten drei Jahrzehnte war wärmer als die vorangehenden Jahrzehnte seit 1850. Im Jahr 2015 lag der Temperaturanstieg erstmalig über 1,0°C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Diese Veränderungen werden eine zunehmend negative Auswirkung auf unsere Umwelt, unsere Wirtschaft, unsere Existenzgrundlage und die globale Sicherheit haben.

Multiplikator von Bedrohungen

Der Klimawandel wird Konsequenzen für die Ressourcenknappheit haben, und er wird wichtige Ressourcen, die das Fundament menschlicher, nationaler und internationaler Sicherheit bilden, strapazieren – einschließlich der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung. 

Dies wiederum wird das Ausmaß von politischen Turbulenzen, der Instabilität von Staaten und der Massenmigration in Zukunft insbesondere in Regionen oder Staaten mit schwacher Regierungsführung und instabilen staatlichen Strukturen vergrößern.

  • SOZIALE FOLGEN


Diese Veränderungen werden sich zunehmend negativ auf unsere Umwelt, unsere Wirtschaft, unsere Existenzgrundlage und die globale Sicherheit auswirken.

Die Folgen werden unverhältnismäßig stark die verwundbarsten Gruppen in der Gesellschaft treffen, während diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, als erste und am stärksten darunter leiden werden.

Wird der Klimawandel nicht gebremst, dann könnte er schätzungsweise bis zu 720 Mio. Menschen zurück in extreme Armut drängen und zu Millionen oder sogar Milliarden Klimaflüchtlingen führen.

Eine 2013 veröffentlichte Studie wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels eine Steigerung von 56 % bei der Häufigkeit von gruppenübergreifenden Konflikten weltweit verursachen könnte.

  • Der Krieg in Syrien


Dieser Bericht legt den Fokus auf eine besonders schwerwiegende Folge des Klimawandels: die Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit und wie diese Entwicklung zur Verzweiflung und Wut auf das Assad-Regime in Syrien beitrug.

Der Krieg in Syrien ist mittlerweile in seinem siebten Jahr und hat bereits zu mehr als 470.000 Toten geführt. 6,6 Mio. Menschen sind zu Binnenflüchtlingen geworden, nahezu 5 Mio. Menschen befinden sich in Flüchtlingslagern in der Türkei, in Jordanien und im Libanon und Schätzungen zufolge haben 1,2 Mio. Menschen Zuflucht in Europa gesucht.

Auch wenn der Krieg nicht allein eine Folge des Klimawandels war, sind die ineinandergreifenden Folgen von Dürre, Migration von ländlichen in urbane Räume sowie zunehmende Unruhen durch ausbleibende Maßnahmen der syrischen Regierung zur Verhinderung von Wasserknappheit, Arbeitslosigkeit und wachsender Ungleichheit offenkundig

 

Bildnachweis: © UNICEF/Al-Issa

Verlässliche Quellen haben darauf verwiesen, dass aufeinanderfolgende Dürren in Syrien eine Rolle in der aktuellen Krise gespielt haben, und es besteht kein Zweifel, dass der Klimawandel in vielen Teilen der Erde zu größeren Spannungen und zum Verlust von Existenzgrundlagen beiträgt.

Jim Yong Kim, Präsident der Weltbankengruppe

  • Extreme Wetterereignisse


Der Klimawandel kann die Form einer langsam eintretenden Umweltzerstörung annehmen. Dazu gehören das Schmelzen der Polareiskappen, der Anstieg des Meeresspiegels, die zunehmende Versalzung des Grundwasser und der Böden sowie Dürren und Wüstenbildung durch veränderte Niederschlagsmuster.

Der Klimawandel kann jedoch auch in Form von plötzlich einsetzenden Katastrophen, wie Stürmen, Hitzewellen und Überflutungen, auftreten. 

Die Anzahl wetterbedingter Naturkatastrophen ist auf allen Kontinenten seit 1980 gestiegen. 

In der Zeit von 1970 bis 2012 gab es 8.835 Katastrophen im Zusammenhang mit dem Klima, von denen sich 3.496 in der Zeit zwischen 2001 bis 2010 ereigneten. Mehr als die Hälfte davon stand im Zusammenhang mit Niederschlagsmustern; sowohl Überschwemmungen als auch Dürren lassen sich in vielen Teilen der Erde zunehmend häufig beobachten.

Bildnachweis: © NOAA/NASA GOES Project

Der Klimawandel könnte zu einer humanitären Krise gewaltigen Ausmaßes führen. Schon heute beobachten wir Migrationsbewegungen einer großen Anzahl Menschen weltweit, ausgelöst durch Nahrungsmittel- und Wasserknappheit und extremem Wetter – und das wird der neue Normalzustand werden.

Stephen A. Cheney, Brigadier General a. D., United States Marine Corps

Bildnachweis: © lizenzfrei/Foto United States Marine Corps von LCpl Niles Lee

  • KLIMAFLÜCHTLINGE

Der Klimawandel führt zur Beeinträchtigung von Existenzgrundlagen, der Infrastruktur und von Gesellschaften und wird wahrscheinlich – ohne weiteres Handeln – Menschen zum Aufgeben ihrer Heimat zwingen und damit die Zwangsmigration befördern.

2016 vertrieben Katastrophen im Zusammenhang mit extremem Wetter rund 23,5 Mio. Menschen. Seit 2008 wurden im Schnitt jährlich 21,7 Mio. Menschen durch solche Gefahren in die Flucht getrieben. Diese Zahlen beinhalten jedoch nicht die Menschen, die infolge von allmählich einsetzender Umweltzerstörung, wie z. B. Dürren, zur Flucht gezwungen wurden. 

EJF definiert diese Menschen als Klimaflüchtlinge: „Personen bzw. Gruppen von Personen, die aufgrund von plötzlichen oder schleichenden im Zusammenhang mit dem Klima stehenden Umweltveränderungen, die ihr Leben bzw. ihre Lebensbedingungen nachteilig beeinträchtigen, gezwungen sind, ihre angestammte Umgebung entweder temporär oder dauerhaft zu verlassen, und die entweder innerhalb ihres Landes umziehen oder dieses verlassen.“


Bildnachweis: © UN Photo

  • FOLGEN FÜR DIE NAHRUNGSMITTELPRODUKTION


Steigende Temperaturen und neue Niederschlagsmuster werden weitreichende negative Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion und die Ernährungssicherheit haben.

Zwischen 1985 und 2007 führten Dürren zu einem Rückgang von 13,7 % bei der Getreideproduktion, im Vergleich zu Verlusten von nur 6,7 % im Zeitraum zwischen 1964 und 1984.

Dürre ist eine der Hauptfaktoren für Verluste in der landwirtschaftlichen Produktion, und Schätzungen gehen davon aus, dass die Zunahme der Intensität, Häufigkeit und Dauer solcher Dürren – allesamt Folgen des Klimawandels – zu beträchtlichen Rückgängen der Ernteerträge führen wird.

 

Bildnachweis: © USAID Africa Bureau

Geschätzte 500 Mio. bäuerliche Kleinbetriebe ernähren fast zwei Mrd. Menschen und produzieren ca. 80 % der in Asien und in Afrika südlich der Sahara konsumierten Nahrungsmittel.


Bildnachweis: © T. Krupnik/CIMMYT

  • GEFAHR FÜR DIE ERNÄHRUNGSSICHERHEIT


Die Ernährungssicherheit – die Aufrechterhaltung der Versorgung und Sicherstellung eines gerechten Zugangs zu Nahrungsmitteln – ist einer der wichtigsten Faktoren im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels auf elementare Menschenrechte und ein Hauptgrund für große Wanderungsbewegungen.

Bei steigender Weltbevölkerung und einem weltweit wachsenden Bedarf an Nahrungsmitteln ist die sichere Produktion und Lieferung entsprechender Nahrungsmittel, insbesondere Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais und Reis, an die richtige Stelle, zur rechten Zeit und zu erschwinglichen Preisen eine grundlegende Herausforderung.

Bildnachweis: © Anne Wangalachi/CIMMYT

  • KONFLIKTTREIBER


Umweltveränderungen befördern Konflikte über Land oder Ressourcen, was wiederum zur Vertreibung von Menschen führen kann.

Zwangsmigration kann durch Umweltkonflikte ausgelöst werden, allerdings kann sie aufgrund von Nahrungsmittelknappheit oder extremen Wetterereignissen selbst Konflikte hervorrufen.

Wechselwirkungen zwischen verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Variablen – sowie von Umwelteinflüssen – haben einen starken Einfluss auf Kriege und bewaffnete Konflikte in bedrohten Ländern. 

 

Bildnachweis: © UN Photo/Albert Gonzalez Farran

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  • SCHUTZ VON KLIMAFLÜCHTLINGEN


EJF fordert die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, die Realität des Klimawandels anzuerkennen und dringende Maßnahmen zur Begrenzung der lähmenden Auswirkungen auf unsere Weltgesellschaft zu ergreifen. 

Wir sehen die Notwendigkeit eines breiten Konsens und besserer Unterstützung für bedrohte Nationen, um ihre Reaktions- und Anpassungsfähigkeit gegenüber Klimarisiken und ihren Folgen zu stärken. Wir fordern die Ausarbeitung und Verabschiedung eines internationalen Übereinkommens, das die Rechte der Klimaflüchtlinge klarstellt und ihren Schutz gewährleistet. Für dieses Ziel fordern wir weiterhin die unverzügliche Ernennung eines Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen, um vorbereitende Verhandlungen zu diesem Zweck einzuberufen und zu leiten. 

Am wichtigsten ist jedoch die Notwendigkeit, unsere ‚Kohlenstoff-Abhängigkeit’ zu beenden, und unsere im Rahmen des Pariser Abkommens gemeinsam eingegangene Selbstverpflichtung einzuhalten, die Treibhausgasemissionen zu senken und sicherzustellen, dass der Temperaturanstieg unterhalb von 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau gehalten wird.

 

Bildnachweis: © UNHCR/Hélène Caux

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