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März 30, 2020

Gemeinschaftsgeist und Co-Management: EJF in Sierra Leone

Von Environmental Justice Foundation Deutschland

Bonthe ist ein geschäftiges Fischerstädtchen an der Küste der Insel Sherbro, Sierra Leone. Kanus kommen und gehen, die Fischmärkte sind laut und glänzen vor Fischschuppen. Doch über der Fischergemeinde liegt ein dunkler Schatten – illegale Fischerei bedroht ihre Lebensweise. Industrielle Trawler dringen illegal in die für Kanufischer vorgesehene Sperrzone ein und fangen große Mengen Fisch. Fisch, der die lokale Bevölkerung ernährt und ihr Einkommen sichert.

2010 begann EJF die Arbeit in Bonthe und führte ein einfaches und gleichermaßen effizientes Schulungsprogramm ein. Das angebotene Training befähigte Fischer vor Ort, Beweise für illegale Praktiken zu sammeln, z.B. durch Geotagging von Industrieschiffen, die beim illegalen Fischfang ertappt wurden. EJF sammelte anschließend die Beweise und schuf eine Art "Alarm-Mechanismus" für illegalen Fischfang, der sowohl an die Regierung von Sierra Leone als auch an die EU geschickt wurde.

Auf diese Weise war die Regierung Sierra Leones in der Lage, zahlreiche Täter zu fangen und zu bestrafen, hunderttausende von Dollar an Strafgeldern einzunehmen und andere potenzielle Täter abzuschrecken. Die Küstengemeinden mussten nicht mehr hilflos zusehen, wie industrielle Trawler illegal ihren Fisch fingen – sie waren endlich in der Lage zu handeln.

Trawler "Mahawa" – eine Erfolgsgeschichte

Ein Erfolg von vielen war die Überführung des illegalen Trawlers Mahawa. Ein Mitglied des kommunalen Überwachungsnetzwerks von EJF – A* – erfuhr im November 2018 von einem Industrieschiff, das illegal in der Küstensperrzone operierte. Mithilfe der Kanufischer fuhr er auf See und nahm Fotos mit Geotags von dem Schiff auf. A* schickte diese Bilder an EJF. Die gesamte Operation wurde anschließend vollständig aufgedeckt.

Die Mahawa ist ein 135 Tonnen schwerer Trawler. Obwohl sie von einem koreanischen Unternehmen mit Sitz in Sierra Leone betrieben wird, zeigte die Lizenzliste des Landes, dass das Schiff im benachbarten Guinea registriert war. Nach einer Warnung durch EJF riefen die Behörden in Guinea das Schiff zurück in den Hafen und stellten fest, dass es sowohl unter guineischer als auch unter sierra-leonischer Flagge fuhr. Daraufhin wurden die Eigentümer von Mahawa mit einer Geldstrafe durch die Regierung Guineas belegt. Die sierra-leonischen Behörden ihrerseits strichen das Schiff offiziell aus dem Register des Landes.

Die Mahawa ist keineswegs ein Einzelfall: sie zeigt, wie illegale Betreiber den gravierenden Mangel an Transparenz in der Fischereiindustrie für ihre Zwecke nutzen. Kriminelle Schiffsbesitzer verschleiern die Identität ihrer Schiffe und wechseln regelmäßig die Flagge, um Sanktionen zu entgehen oder um offizielle Regeln – zum Beispiel offiziell festgelegte Fangquoten – zu umgehen.

Da nur sehr wenige Länder ihre Fischereifahrzeug-Register öffentlich machen, ist die Überprüfung der Registrierung von Schiffen schwierig oder sogar unmöglich. Einige Eigner illegaler Trawler gehen sogar so weit, ihre Boote aus allen Registern zu streichen, sodass sie im Grunde staatenlos sind und entziehen sich damit gleichzeitig auch jedweder staatlicher Kontrolle.

Rettungseinsätze auf See

Die Arbeit von EJF in Sierra Leone trug einerseits dazu bei, das Netzwerk aus Bürger*innen, die sich für den Schutz der Meeresökosysteme einsetzen, zu stärken. Andererseits wurden ebenfalls EJF-Patrouillenboote als Rettungsboote eingesetzt, um den schnellen Transport von entlegenen Küstengebieten zu medizinischen Einrichtungen zu erleichtern.

Während eines Zwischenfalls im Jahr 2014 kenterte ein mit Menschen überladenes Boot vor der Küste der Insel Sherbro. Viele dieser Menschen konnten nicht schwimmen. Die Besatzung von EJF handelte schnell und schloss sich der Sierra Leone Navy an, um denjenigen in Not zu helfen. Insgesamt wurden durch den schnellen Einsatz insgesamt 33 Leben gerettet.

In einem weiteren Fall im Jahr 2013 rettete ein EJF-Boot etwa 60 Menschen aus dem Wasser. Ein Passagierboot, das von Yoni nach Bonthe fuhr, war nach dem Aufprall auf eine Sandbank gekentert. Bis heute wurden mehr als 100 Leben gerettet.

"Dank EJF konnten wir die Zahl der industriellen Trawler reduzieren, die sehr nah an die Küste kamen und die Netze unserer Fischer zerstörten. EJF stellte ihr Boot auch für Notfälle zur Verfügung. Im Jahr 2013 kenterte ein Schiff. Wäre EJF damals nicht hier gewesen, hätten viele Menschen ihr Leben verloren."
– Joe Leyemie Sandi, Bürgermeister von Bonthe

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit den Fischergemeinden Sierra Leones und sind sehr stolz – nicht nur auf die harte Arbeit unserer Campaigner*innen, die dazu beiträgt, illegale Trawler vor Gericht zu bringen und Fischbestände zu schützen, sondern auch auf ihr selbstloses Handeln bei Rettungseinsätzen auf unseren Ozeanen.

*Name wurde aus Datenschutz-Gründen von der Redaktion geändert.