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Gejagt und geschlachtet: Haifische sind weltweit bedroht
Aug. 30, 2019

Gejagt und geschlachtet: Haifische sind weltweit bedroht

Von EJF Deutschland

Illegale und nicht nachhaltige Fischerei gefährden die Existenz von Haipopulationen weltweit. Der Schutz dieser faszinierenden Raubfische ist entscheidend: Sterben sie aus, steht die Gesundheit unserer Meere und damit die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen auf dem Spiel.

EJFs Arbeit zum Schutz von Haipopulationen weltweit trägt dazu bei, die fragilen Ökosysteme unterhalb der Wasseroberfläche zu bewahren und sichert damit gleichzeitig die Existenz lokaler Küstengemeinden, die stark auf die Gesundheit unserer Ozeane angewiesen sind.

Ein Viertel der Arten vom Aussterben bedroht

Seit Beginn der industriellen Fischerei in den frühen 1950er Jahren sind weltweit etwa 90% der großen Meeresfische, wie Haie, Kabeljau und Schwertfisch, verschwunden. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind insgesamt 90% der Fischbestände der Erde entweder vollständig ausgeschöpft oder überfischt.

Für Haie stellt Überfischung eine besonders akute Bedrohung dar. Die Tiere neigen dazu, langsam zu wachsen, spät geschlechtsreif zu werden und weisen eine niedrige Fortpflanzungsrate auf. Allein aufgrund von Überfischung wird weltweit bereits ein Viertel aller Haifisch-Arten als bedroht eingestuft.

Gerade Haie und Rochen spielen eine überaus wichtige Rolle für unsere Meere. Sinkende Populationen können zu dramatischen Ungleichgewichten in marinen Ökosystemen führen, die etwa die Rückbildung von Korallenriffen sowie die Zerstörung von Seegrasböden zur Folge haben können – zwei Ökosysteme, die wiederum wichtige Lebensräume für Jungfische darstellen.

"Überall auf der Welt sind unsere Ozeane bedroht, und vor allem Raubfische, die an der Spitze der Nahrungspyramide stehen wie Haie und Rochen, die eine entscheidende Rolle für das Gleichgewicht und die Gesundheit der Meeresökosysteme spielen."
– Steve Trent, EJF-Geschäftsführer

Illegale Fischerei & „Finning“

Weltweit werden jährlich durchschnittlich 100 Millionen Haie zu Nahrungszwecken gefischt. In Westafrika – eine Region, in der die Ernährungssicherheit stark von der Gesundheit der Meeresökosysteme abhängt – gehen Hai- und Rochenpopulationen stark zurück. Obwohl auch einheimische Fischer zu diesem Problem beitragen, macht die industrielle Fischerei den Löwenanteil aus: Illegale Fischerei durch internationale Schiffe ist im Golf von Guinea weit verbreitet – und häufig haben es diese Fangschiffe gezielt auf Haie und Rochen abgesehen.

Der illegale Handel mit Haifischflossen ist ein besonders grausames Geschäft. Ermittlungen von EJF haben gezeigt, dass industrielle Schleppnetzschiffe, sogenannten „Trawler“, systematisch illegalen Haifischfang betreiben. An Bord werden den Tieren die Flossen abgeschnitten, bevor man sie anschließend – häufig noch bei lebendigem Leib – zurück ins Meer wirft. Ohne ihre Flossen können die Tiere nicht mehr schwimmen und wälzen sich hilflos auf dem Meeresgrund, bis sie letztendlich ersticken oder verbluten.

Rechtliche Schutzmaßnahmen fehlen

In vielen westafrikanischen Ländern, wie Ghana oder der Elfenbeinküste, werden Haie und Rochen weit über ein nachhaltiges Maß hinaus bis an die Grenzen ihrer Ausrottung gejagt. Rechtliche Schutzmaßnahmen existieren bislang nicht. Um das zu ändern, fordert EJF ein globales Verbot des Abtrennens von Haifischflossen sowie den gesetzlich festgelegten Schutz von Haien. Zudem planen wir, unsere Arbeit zu Haien und Rochen in der gesamten westafrikanischen Region auszuweiten mit dem Ziel, dass effektive Schutzmaßnahmen für diese „Hüter der Meere“ eingeführt werden.

EJF setzt sich ebenfalls für die Sicherung und Ausdehnung von Schutzzonen in Küstennähe – Gewässer, die traditionellen Kleinfischern vorbehalten sind – sowie für die Einrichtung und Sicherung von Meeresschutzgebieten ein, damit sich marine Lebensräume erholen und gefährdeten Wildtierarten Zuflucht bieten können.

Internationale Zusammenarbeit für den Artenschutz

2018 hat sich die Regierung in Liberia zu einem Nationalen Aktionsplan für Haie und Rochen verpflichtet. EJF unterstützt Liberia künftig bei der Umsetzung dieses Aktionsplans. Wir arbeiten schon jetzt eng mit lokalen Wissenschaftlern und der „National Fisheries and Aquaculture Authority“ zusammen, um einen nachhaltigen Bewirtschaftungsplan sowie einen geeigneten Rechtsrahmen zum Schutz dieser faszinierenden Jäger der Tiefe zu entwickeln.

Da Daten zum Zustand der Bestände nach wie vor unzureichend sind, schult EJF außerdem lokale Fischergemeinden vor Ort in der Datenerhebung zu Haipopulationen und -fängen. Die Aufzeichnung aktueller Entwicklungen sowie die Sicherung neuer Erkenntnisse sowohl in Bezug auf die Zusammensetzung und Größe der angelandeten Fänge als auch hinsichtlich der Anzahl der Kanus und ihrer Verweildauer auf See werden dazu beitragen, Lösungen für eine langfristig nachhaltige Fischerei zu finden.