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Illegale Fischerei: EU verwarnt Ghana mit zweiter "gelber Karte"
Juni 03, 2021

Illegale Fischerei: EU verwarnt Ghana mit zweiter "gelber Karte"

Von EJF Deutschland

Weil Ghanas Regierung bei der Bekämpfung der illegalen Fischerei versagt, hat die EU das Land nun mit einer zweiten „gelben Karte“ verwarnt. Dabei handelt es sich um eine formelle Warnung, die zu einem Exportverbot für Fisch und Meeresfrüchte in die EU führen könnte.

Der kürzlich ernannte Fischereiminister muss endlich mit der Vergangenheit brechen, um ghanaisches Recht durchzusetzen und die illegale Fischerei zu beenden. Gleichzeitig muss er für Transparenz in der gesamten Branche sorgen, um illegale Akteure zu enttarnen und diejenigen zu belohnen, die sich an die Gesetze halten.

Ghana kämpft seit Jahrzehnten mit illegaler Fischerei. Insbesondere die „Saiko“-Fischerei ist eine äußerst zerstörerische Form der illegalen Fischerei, bei der es industrielle Trawler illegal auf die Hauptfänge handwerklicher Kanufischer abgesehen haben, ihn auf See auf speziell angepasste Boote umladen, um ihn dann auf lokalen Märkten zu verkaufen. Diese Praxis hat schwerwiegende Auswirkungen auf Ghanas „kleine pelagische“ Fischpopulationen: Die Bestände an Sardinellen stehen bereits kurz vor dem Zusammenbruch; die Anlandungen sind in den letzten zwanzig Jahren um 80 % eingebrochen.

Zweite „gelbe Karte“ für Ghana

Seit 2017 warnt die Environmental Justice Foundation die ghanaische Regierung vor illegaler Fischerei. Der Schlüssel zum Schutz der ghanaischen Fischerei und des Lebensunterhalts von 2,7 Millionen Ghanaer*innen, die von ihr abhängen, ist eine drastische Verbesserung der Transparenz der Flotte.

Ghana wurde 2013 erstmals von der EU mit einer „gelben Karte“ verwarnt, die 2015 aufgrund neuer Gesetze und eines klaren Managementplans für die Fischerei aufgehoben wurde. Die Maßnahmen sind zwar gut konstruiert, wurden aber nicht um- oder durchgesetzt, sodass sich die Situation verschlechtert hat und die Europäische Kommission erneut eine Verwarnung aussprach. Ghana ist das zweite Land, das auf diese Weise erneut verwarnt wurde und muss nun dringend daran arbeiten, die illegale Fischerei durch Schiffe, die unter seiner Flagge fahren und in seinen Gewässern operieren, auszumerzen.

Fehlende Transparenz ermöglicht illegale Praktiken

Derzeit liegt in der ghanaischen Fischereiindustrie ein schockierender Mangel an Transparenz vor. Dies ermöglicht es illegalen Betreibern, ihre Identität, Besitzverhältnisse sowie die Historie von Fischereifahrzeugen zu verschleiern und so der Aufdeckung und Sanktionen zu entgehen. Infolgedessen ist die illegale Fischerei weit verbreitet. Gleichzeitig dezimieren die enormen Überkapazitäten der Fischereiflotte weiterhin die Fischbestände.

EJF-Untersuchungen belegen, dass rund 90 % der industriellen Flotte in Ghana im Besitz chinesischer Konzerne sind, obwohl ausländische Besitztümerstrukturen sowie die Kontrolle illegal sind. Der Mangel an Transparenz erlaubt es diesen Betreibern, undurchsichtige Firmenstrukturen aufzubauen und über ghanaische Scheinfirmen zu operieren, um Lizenzen für den Fischfang zu erhalten. Dadurch entgehen Ghana jedes Jahr bis zu 23,7 Millionen US-Dollar an Einnahmen.

Bußgelder für illegale Fischerei – und zwar solche, die mit chinesischen Unternehmen in Verbindung gebracht werden – liegen oft sogar unter dem von der ghanaischen Gesetzgebung vorgeschriebenen Minimum und entsprechen nicht Ghanas Verantwortung nach internationalem Recht. Ghanas Lizenzgebühren sind zudem weitaus niedriger als in anderen Staaten der Region, mit der fälschlichen Begründung, sie seien für einheimische, nicht für ausländische Schiffe gedacht.

Chance für Veränderung

Es ist an der Zeit, die illegale Fischerei in Ghana ein für alle Mal zu beenden. Die „Saiko“-Fischerei führt zu einer menschlichen und ökologischen Krise, bei der die Fischbestände am Rande des Zusammenbruchs und die Lebensgrundlagen und die Ernährungssicherheit auf dem Spiel stehen. Ghana hat die Mittel, um „Saiko“ zu beenden und es ist wichtig, dass das Land sofort Schritte unternimmt, um genau das zu tun.

Transparenz ist ein kostengünstiges und sehr effektives Mittel, um illegale Fischerei zu bekämpfen, die Rechenschaftspflicht zu verbessern und eine sinnvolle Beteiligung an der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Zu den einfachen Maßnahmen, die Ghana heute ergreifen kann, gehört die Veröffentlichung von Listen mit Fanglizenzen und Strafen für illegalen Fischfang. Die ehrenwerte Ministerin Koomson hat nun die Chance, mit der EU zusammenzuarbeiten, um solide Maßnahmen für mehr Transparenz einzuführen und die ghanaischen Gesetze vollständig umzusetzen. Seine Exzellenz, Präsident Nana Akufo-Addo, sollte sich um ein Vermächtnis bemühen, das Arbeitsplätze und die Ernährungssicherheit Ghanas sichert.