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Wie wir die nächste Pandemie verhindern
Jan. 18, 2021

Wie wir die nächste Pandemie verhindern

Von Steve Trent, EJF-Geschäftsführer

Um die Gesundheit der Weltbevölkerung zu schützen, müssen wir alles dafür tun, damit sich das Risiko für eine weitere - vielleicht noch gefährlichere - Pandemie verringert. Das bedeutet, kommerzielle Märkte für Wildtiere zu schließen und die Zerstörung der Wildnis aufzuhalten.

Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Covid-19-Impfstoffen hofft die Welt darauf, bald wieder zu so etwas wie Normalität zurückkehren zu können. Doch diese Pandemie wird nicht die letzte sein - und vielleicht auch nicht die schlimmste.

Ende Dezember 2020 bestätigte der Leiter des WHO-Notfallprogramms Dr. Mike Ryan, dass die Auswirkungen von Covid-19 "sehr schwerwiegend" sind und jeden Winkel unseres Planeten betreffen. Gleichzeitig bezeichnete er sie als einen Weckruf: "Wir lernen jetzt, wie wir Dinge besser machen können: Wissenschaft, Logistik, Verwaltung, Kommunikation. Doch unser Planet ist zerbrechlich."



Und er hat Recht: 75% der neu auftretenden Krankheiten sind durch Tiere auf Menschen übertragen worden - darunter Ebola, MERS, SARS und viele mehr. Sie haben die Artengrenze dort überschritten, wo Menschen in engen Kontakt mit einer großen Anzahl von Wildtieren treten, so zum Beispiel auf kommerziellen Wildtiermärkten.



Um unsere Gesundheit zu schützen, müssen wir sofort Maßnahmen ergreifen, um Märkte zu schließen, bei denen die Beweise dafür sprechen, dass das Coronavirus zuerst vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist.



Die nächste Pandemie könnte es Covid-19 durchaus gleichtun und aus einem der überfüllten kommerziellen Wildtiermärkte der Welt kommen. Dort, wo eine riesige Anzahl an Arten zusammengepfercht ist, entsteht die perfekte Petrischale für einen erneuten Krankheitsausbruch.

Dieses Risiko können wir nicht eingehen.

Einer unserer aktuellsten Berichte zeigt die Auswirkungen kommerzieller Wildtiermärkte auf Mensch und Umwelt. Was es dringend braucht, ist ein weltweites und dauerhaftes Verbot dieser Orte. Doch wir müssen noch weiter gehen und unsere Beziehung zur Natur grundlegend ändern.



Entwaldung und intensive Landwirtschaft erhöhen den Kontakt des Menschen mit Viren aus der Tierwelt und machen dadurch eine weitere Pandemie wesentlich wahrscheinlicher.

 Die Zerstörung natürlicher Lebensräume bringt uns in gefährlich engen Kontakt mit wilden Tierarten, die möglicherweise Krankheiten in sich tragen, mit denen wir noch nie in Berührung gekommen sind.

Das kann so nicht weitergehen.



Wir brauchen eine vollständige Green Recovery, die nicht nur die Wirtschaft wieder aufbaut, sondern auch der Bewahrung der natürlichen Umwelt die höchste Priorität einräumt. Nur so schützen wir uns vor zukünftigen Pandemien.



Regierungen und Unternehmen müssen die "wahren" Kosten der Risiken anerkennen, die wir durch eine nicht nachhaltige Nahrungsmittelproduktion und Umweltzerstörung eingehen.

 Diese Kosten umfassen nicht nur Umweltschäden - menschliches Leid zählt ebenso zu ihnen. Covid-19 zeigt, dass eine Pandemie nicht nur eine Gefahr für unsere Gesundheit und unser Wohlergehen ist. Sie führt ebenso zu einer wirtschaftlichen Katastrophe, die mit Armut einhergeht und sowohl Ungleichheiten als auch Konflikte verschärft.

Die Wissenschaft ist sich einig: Wenn der Mensch die biologische Vielfalt zerstört und Ökosysteme dominiert, erhöht er das Risiko für Pandemien.

"Wir haben jahrzehntelang davor gewarnt. Niemand hat es beachtet", so Kate Jones, Professorin für Ökologie und Biodiversität und Direktorin der Biodiversity Modelling Research Group am University College London in ihrem kürzlich von "Nature" veröffentlichten Paper.

In der Tat haben auch wir bereits im Jahr 2003 im Zuge von SARS eine Studie in Auftrag gegeben, die davor warnte, dass China mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Ursprungsort für ein neues, zoonotisches Virus sein könnte und dazu aufrief, den Konsum von Wildtieren einzuschränken.



Wir kennen nun alle Warnzeichen. Alle Befunde liegen uns vor. Jetzt ist es an der Zeit, entsprechend zu handeln.