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Buschbrände in Australien: Die richtige Antwort
Jan. 14, 2020

Buschbrände in Australien: Die richtige Antwort

Von Steve Trent, EJF-Geschäftsführer

Der australische Premierminister Scott Morrison antwortete auf die Kritik an der Handhabung der katastrophalen Buschbrände mit den Worten: "Jetzt ist es an der Zeit, sich auf die Antwort, die gegeben wird, zu konzentrieren." Er verwies auf den Einsatz von Militär, Marineschiffen und neuen Flugzeugen und Hubschraubern. Doch er hat das Thema grundlegend verfehlt.

Die richtige Reaktion

Das, was gerade in Australien passiert, ist der Klimanotstand. Die Verluste sind zu groß, die Wunde zu tief, als dass man sich was die Antwort auf die Krise betrifft nur auf der Anzahl eingesetzter Flugzeuge, Atemschutzmasken oder die Entschädigung der Opfer begrenzen kann.

Der Umgang von Premierminister Scott mit der Krisensituation ist bei weitem nicht ausreichend - er ist reaktionär, kurzfristig und ohne Vision.

Australien muss, wie alle Nationen, die richtige Antwort auf die Klimakrise geben, indem es den Kampf gegen den Klimawandel intensiviert. Für ein Land, dessen Hauptexportprodukt im Jahr 2018 Kohle ist, sollte die richtige Reaktion darin bestehen, die Kohleförderung jetzt auslaufen zu lassen und die Industrie bis 2030 vollständig zu schließen.

Anstatt die Entwicklung neuer Kohleminen zu genehmigen, sollte Australien die 2019 erteilte Genehmigung für den Bau der Carmichael-Mine in Queensland widerrufen und seine aufgehobene Kohlendioxid-Steuer - bei der die größten Umweltsünder, insbesondere die großen Kohlenstoff-Verschmutzer - zahlen müssen, wieder einführen.

Werden diese Schritte unbequem? Ja! Doch ein flüchtiger Blick in die Zukunft lässt die verheerenden Auswirkungen heute bereits erahnen, denen die Bevölkerung Australiens ausgesetzt sein wird, wenn es ihrer Regierung sowie Regierungen weltweit nicht gelingt, ihre Abhängigkeit von Kohlenstoff zu beenden.

Es ist höchste Zeit, dass Australien bis 2030 auf eine kohlenstofffreie Wirtschaft hinarbeitet. Anstatt sich auf die Auflistung der bisherigen Erfolge bei der Reduzierung von Emissionen zu beschränken (Carry-over-Carbon-Credits), sollte sich das Land zu einem ehrgeizigen Ziel verpflichten, seine Kohlenstoffemissionen noch vor der diesjährigen COP26-Konferenz in Glasgow zu reduzieren.

Höchste Dringlichkeit

Das Ausmaß und die Auswirkungen der Verwüstungen durch die Buschfeuer zeigen, wie dringend ein richtiges Handeln ist.

Die Brände haben den Himmel in Südaustralien orange und rot gefärbt. Ihr dichter Rauch ließ einen Sommertag wie die Dämmerung aussehen; die Asche wurde bis an die weiß-sandigen Küsten von New South Wales gespült. Stellenweise waren die Brände so groß (bis zu 70 Meter hoch), dass sie Gewitter und Blitze erzeugten. Berichten zufolge sind mindestens 6,3 Millionen Hektar Land verbrannt - mehr als sieben Mal so groß wie die Fläche, die 2019 im Amazonasgebiet verbrannte.

Neue Rekordtemperaturen - 40,9 °C am 17. Dezember, dann 41,9 °C am darauffolgenden Tag - machen es schwieriger, die Brände zu unterdrücken.

Eine konservative Schätzung geht davon aus, dass fast eine halbe Milliarde Tiere umgekommen sein könnten. Die Behörden sagten, dass mindestens 25.000 Koalas - etwa 30% der Population von Australiens Tier-Ikone - verloren gegangen seien. Experten befürchten, dass einige Arten vollständig ausgerottet worden sein könnten.

Klimaflüchtlinge

Selbst in einem der reichsten und am weitesten entwickelten Länder der Welt können wir sehen, wie die globale Erwärmung Klimaflüchtlinge schafft.

1.300 Häuser wurden allein im am schlimmsten betroffenen Bundesstaat New South Wales zu Asche. Tausende suchten Zuflucht. Wir brauchen ein internationales verbindliches Abkommen, um die Rechte dieser Menschen zu sichern - egal ob sie in Bangladesch oder Australien sind.

Obwohl es die ärmsten Nationen sind, die zuerst und am schlimmsten unter den Verwüstungen des Klimawandels leiden, zeigen die katastrophalen Brände, dass die Krise für alle kommt - reiche, entwickelte Nationen sind nicht immun gegen sie.

Greta Thunberg richtete sich 2019 mit einem Appell an Politiker und Politikerinnen weltweit mit den Worten: "Ich möchte, dass Sie so tun, als ob unser Haus in Flammen steht. Denn das tut es."

Tragischerweise steht Scott Morrisons Land aktuell in Flammen. Jetzt muss er sich endlich auch so verhalten.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf "The Ecologist" veröffentlicht und wird mit Genehmigung auf unserer Website geteilt. Bildnachweis: Mark Vuaran | Flickr: "The New Sun"