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Liberianische Fischergemeinden durch chinesische Supertrawler bedroht
Juli 23, 2020

Liberianische Fischergemeinden durch chinesische Supertrawler bedroht

Von EJF Deutschland

Sechs chinesische Supertrawler sind in Liberia eingetroffen. Die Schiffe können jährlich über 12.000 Tonnen Fisch fangen – fast doppelt so viel wie die Bestimmungen für nachhaltige Fangmengen des Landes zulassen. Liberia ist das dritte westafrikanische Land, das in den letzten sechs Monaten einen plötzlichen Anstieg chinesischer Industrietrawler erlebt.

Am 12. Juni trafen die sechs Supertrawler – Hao Yuan Yu 860, 861, 862, 863, 865 und 866 – in Monrovia ein. All diese Schiffe wurden erst kürzlich in China gebaut. Nachdem sie offensichtlich versucht hatten, in Mosambik zu fischen, machten sie sich auf den Weg nach Liberia. Jeder dieser Trawler ist in der Lage, pro Jahr mindestens 2.000 Tonnen Fisch zu fangen. Das ist 4.000 Mal so viel wie der Fang eines lokalen Kanufischers, mit durchschnittlich 500 kg pro Jahr.

Zum Schutz des Lebensunterhalts sowie der Ernährungssicherheit der Küstengemeinden fordert die Liberia Artisanal Fishermen's Association gemeinsam mit lokalen Fischereiverbänden die Regierung auf, den Antrag auf Fischereilizenzen abzulehnen.

Nachhaltige Fangmengen überschritten

Wissenschaftler*innen zufolge beträgt die höchstmögliche, nachhaltige Fangmenge in Liberia 6.000 Tonnen pro Jahr. Die chinesischen Schiffe allein wären in der Lage, mindestens doppelt so viel wie die gesamte nationale nachhaltige Fangmenge zu fangen. Dadurch würden Fischbestände in nur wenigen Jahren dramatisch dezimiert – mit schwerwiegenden Folgen auf den Lebensunterhalt und die Ernährungssicherheit. 80% der Bevölkerung Liberias sind auf Fisch für ihre Ernährung angewiesen. Darüber hinaus liefert der Fischereisektor rund 37.000 Menschen eine Voll- oder Teilzeitbeschäftigung.

Ausländische Eigentümerstrukturen

Die Supertrawler in Liberia sind Teil einer Reihe neuer Fischereifahrzeuge in Westafrika, die mit China in Verbindung stehen. Allein im Senegal haben im April 52 Schiffe Lizenzen beantragt, was eine enorme Belastung für die Meeresressourcen bedeutet hätte. Am Welttag der Ozeane wurden die Anträge jedoch von der Regierung abgelehnt. In Ghana warten aktuell drei neue Trawler aus China immer noch auf ihre Lizenzen, nachdem lokale Kanufischer ernsthafte Bedenken geäußert hatten. Die liberianische Fischereigesetzgebung schreibt vor, dass nur Schiffe, welche "die Nachhaltigkeit der Fischereiressourcen nicht gefährden", von der Nationalen Fischerei- und Aquakulturbehörde lizenziert werden.

Fortschritte nicht gefährden

Das Wachstum der chinesischen Industrieflotte in Westafrika ist zutiefst besorgniserregend. Viele dieser Länder haben kleine Flotten, die für den Lebensunterhalt und die Ernährungssicherheit der lokalen Gemeinden überlebenswichtig sind. Sie haben kaum eine Chance, mit den Supertrawlern zu konkurrieren. Denn diese Schiffe sind in der Lage, riesige Mengen Fisch zu fangen und weiterzuziehen.

"Wir hoffen, dass die Regierung das liberianische Recht befolgt und die Interessen der lokalen Küstengemeinden und unsere Meere schützt", so Jerry N. Blamo, Präsident der Liberia Artisanal Fishermen's Association. "Unsere Gewässer unterstützen lokale Arbeitsplätze und liefern qualitativ hochwertige Nahrung. Die Vergabe von Fanglizenzen an diese riesigen Trawler würde dies zunichte machen."

"In den letzten zehn Jahren haben wir hart dafür gearbeitet, illegale Fischerei und Überfischung zu stoppen", so Charles Simpson, Präsident der Grand Cape Mount County Community Management Association. "Wir sehen zunehmend mehr Fisch. Doch diese Supertrawler konkurrieren um den gleichen Fisch wie lokale Fischer und könnten all unsere Fortschritte zunichte machen. Wir fordern die Regierung auf, die liberianischen Küstengemeinden zu schützen, indem sie die Fanglizenzen für diese Schiffe verweigert."

P. Nyantee Sleh, der Präsident der Gemeindeverwaltungsverbände des Bezirks Montserrado und des Bezirks Bomi, sagte: "Die Kleinfischerei liefert wichtige Arbeitsplätze für die Menschen in Monrovia und im ganzen Land. Früher konnten die lokalen Fischer aufgrund von Überfischung ihren Lebensunterhalt nicht verdienen, aber in den letzten Jahren hat sich die Lage verbessert", so Sleh weiter. "Die Zulassung der Supertrawler wäre ein großer Rückschritt, welcher Arbeitsplätze und Ernährungssicherheit gefährden würde."

Liberia hat bei der Verwaltung seiner Fischerei enorme Fortschritte gemacht. Die Nationale Behörde für Fischerei und Aquakultur (NaFAA) hat bei der Bekämpfung der illegalen und nicht nachhaltigen Fischerei eine wichtige Rolle gespielt. Das Fischerei-Management erfordert harte Entscheidungen. EJF hofft, dass die NaFAA auch weiterhin Liberias Fischerei und die von ihr abhängigen Küstengemeinden schützen wird.