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Rainforest and sunlight

Verbrechen gegen Indigene müssen aufhören

Indigene Völker leben seit Jahrtausenden in Harmonie mit ihrer Umwelt. Doch die anhaltenden Übergriffe auf sie in der ganzen Welt lassen sich mittlerweile als Menschenrechtsverletzungen von industriellem Ausmaß beschreiben.

Der Klimawandel und seine Folgen

Die Samen – das einzige anerkannte indigene Volk in Europa – leben seit Jahrtausenden in der Arktis. Doch ihre traditionelle Lebensweise ist bedroht. Die Arktis erwärmt sich aktuell doppelt so schnell wie der Rest der Erde, mit "dramatischen und beispiellosen" Veränderungen in diesem Ökosystem.

Die Rentierzucht, die von den Samen seit 800 n. Chr. betrieben wird, könnte bald unmöglich werden. Dürren, Waldbrände und Regenfälle statt Schnee vernichten die Winterweiden der Herden. Immer mehr Züchter sind gezwungen, zusätzlich Nahrung beizufüttern, um ihre Tiere am Leben zu halten.

Um dem verheerenden Verlust der samischen Kultur und der Bedrohung zahlreicher anderer indigener Völker Einhalt zu gebieten, müssen wir die Klimakatastrophe aufhalten. Das bedeutet: Emissionen senken, die Ziele des Pariser Abkommens erfüllen und die Erderwärmung auf unter 1,5 ºC begrenzen. Eine andere Option gibt es nicht.

Ich bin Aktivistin, weil ich keine andere Wahl habe. Ich denke, dass alle indigenen Kulturen die ersten sind, die [die Klimakrise] erleben, weil wir so naturverbunden leben.

Maxida Märak, samische Aktivistin und Musikerin

Illegaler Landraub und Abholzung

Andre Karipuna ist der Anführer des im westlichen Amazonasgebiet beheimateten Karipuna-Stammes. In diesem Frühjahr nahm Andre Kontakt mit EJF auf. Er war verzweifelt, denn er hatte festgestellt, dass illegale Fällungen im geschützten Gebiet der Karipuna stattfinden – eine Bedrohung für die natürliche Umwelt und die Ressourcen des Stammes.

Andre sieht sich ständigen Todesdrohungen durch Holzfäller und Landräuber ausgesetzt, die in das Gebiet der Karipuna eindringen. Er fürchtet um das Überleben seines Volkes. Denn Covid-19 bringt nicht nur die Gefahr des Viruses mit sich, sondern schränkt auch die Mobilität sowie den Zugang zu den Lebensmitteln ein.

Andres Geschichte ist kein Einzelfall. Die indigene Bevölkerung des Amazonasgebietes steht unter einem beispiellosen Angriff der brasilianischen Regierung unter Präsident Bolsonaro. Er hat Schutzmaßnahmen für die indigene Bevölkerung zurückgenommen und Gesetze unterzeichnet, welche u.a. die Erschließung von indigenem Land für fossile Brennstoffe, Bergbau und Viehzucht erlauben. Seine Regierung hat die Überwachung der Grenzen von zehn Reservaten, die von isolierten Völkern bewohnt werden, eingestellt – eine Maßnahme, die dazu dient, diese Gemeinschaften vor illegalen Holzfällern und Bergarbeitern zu schützen.

Diese Entwicklungen lassen sich insgesamt als Plan zur "Legalisierung von Verbrechen gegen indigene Völker" zusammenfassen. Er erlaubt Verbrechen auf indigenem Land, weil diese durch die Gesetzgebung legalisiert worden sind.

Fossile Brennstoffe und Mineralien

Indigene Gemeinschaften sehen sich ebenfalls durch die Gewinnung fossiler Brennstoffe und Mineralien bedroht. Der Kampf des Standing Rock Sioux-Stammes gegen die Dakota Access Pipeline sorgte kürzlich für positive Berichterstattung: Der Bau der Pipeline wurde ausgesetzt, weil gründlichere Umweltprüfungen angeordnet wurden. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass indigene Völker bei wichtigen Entscheidungen im Hinblick auf die Gewinnung fossiler Brennstoffe konsequent außen vor gelassen werden.

Eine solch tragische Geschichte spielt sich derzeit in Papua-Neuguinea ab. Dort hat ein Tiefseebergbau-Unternehmen Pläne vorgelegt, um den Meeresboden auszuheben. Dieser Boden hat für die Inselbewohner des Duke of York eine erhebliche spirituelle Bedeutung.

"Nothing about us, without us"

Der zügellose Abbau natürlicher Ressourcen bedroht indigene Völker in kultureller Hinsicht. Ihre einzigartige Lebensweise könnte für immer zerstört werden. Konsultation und Mitbestimmung bei Entscheidungsprozessen ist lebenswichtig: in jedem Fall und zu jeder Zeit.

Die Zukunft

Indigenen Völkern ihr Land zu nehmen und die Augen vor illegalen Übergriffen zu verschließen, ist bereits schlimm genug. Doch wenn Covid-19 wütet und die Stammesältesten tötet, verlieren wir und künftige Generationen Wissen von unvorstellbarem Wert.

Brasilien muss schnellstmöglich handeln und die Angriffe auf indigene Völker und ihr Land rückgängig machen. Zudem muss das brasilianische Bundes-Umweltamt (IBAMA) wieder in die Lage versetzt werden, Vorschriften durchzusetzen, um illegales Vordringen in indigene Gebiete zu stoppen.

Gleichzeitig benötigen indigene Gemeinschaften Unterstützung bei der Bewältigung der Covid-19-Pandemie – mit medizinischer Versorgung und Lebensmitteln, die den Bedürfnissen der indigenen Gemeinschaften entsprechen.

Für viele indigene Völker ist das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur tief in den kulturellen Werten verankert. Gleiches gilt für die Bewahrung der natürlichen Umwelt für zukünftige Generationen. Dieser Ansatz zu dem, was wir heute "Nachhaltigkeit" nennen, birgt wertvolle Lehren für die ganze Welt.

Indigene Stämme sollten nicht nur bei allen Entscheidungen, die sie und ihr Land betreffen, konsultiert werden. Wir müssen ihr Wissen in den Vordergrund rücken und nutzen, auf dem Weg zu einer grünen und gerechten Welt für uns alle.

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