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Wie die Natur uns im Kampf gegen das Coronavirus hilft
Apr. 22, 2020

Wie die Natur uns im Kampf gegen das Coronavirus hilft

Von EJF Deutschland

Zahlreiche Medikamente haben wir der Natur zu verdanken, auch wenn wir viele ihrer Geheimnisse noch immer nicht ganz verstehen. Unzählige Leben konnten bereits gerettet werden. Doch damit wir das auch in Zukunft weiter tun können, müssen wir zuallererst unsere natürliche Umwelt schützen.

Die Zahl der bestätigten COVID-19 Fälle liegt mittlerweile weltweit bei über zwei Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wiederholt gefordert, deutlich mehr auf Infektionen zu testen, da wir "ein Feuer nicht mit verbundenen Augen löschen können". Dass wir überhaupt in der Lage sind, auf die tödliche Krankheit sowie auf andere Viren wie SARS und HIV zu testen, haben wir der Natur zu verdanken. Nur durch die Entdeckung von bestimmten Enzymen in hydrothermalen Quellen der Tiefsee und heißen Süßwasserquellen ist es Wissenschaftler*innen möglich, Test-Kits in bislang nie dagewesener Geschwindigkeit herzustellen. Ohne bahnbrechende Entdeckung wie diese hätte sich die Corona-Pandemie vermutlich ungebremst und vergleichsweise unbemerkt ausgebreitet.

Heilmittel aus Ozeanen und Wäldern

Weniger als 0,05 % des Meeresbodens sind bislang kartographiert. Dementsprechend wenig Wissen haben wir von dem, was sich weit unter der Meeresoberfläche befindet. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich in der Tiefsee viel verbirgt, was uns bei der Bekämpfung von neuen Krankheitsausbrüchen helfen kann. Schon heute existieren Dank unserer Ozeane Mittel gegen Krebs, Entzündungen, Nervenschäden und HIV. Viele weitere Medikamente, etwa gegen Malaria bis hin zu anderen Coronaviren über COVID-19 hinaus, werden aktuell entwickelt.

Auch unseren Wäldern haben wir eine Vielzahl von Therapien zu verdanken. Chinin, das sich in speziellen Bäumen aus den Anden findet, ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Heilmittel gegen Malaria. Leukämie bei Kindern wird durch Behandlungen mit dem madagassischen Immergrün wirksam bekämpft. Allein diese Pflanzen haben bereits hunderttausende Leben gerettet. Und wir fangen gerade erst an, das Potenzial und die möglichen Einsatzmöglichkeiten dieser Pflanzen zu verstehen. So könnten sich beispielsweise Arten in den Wäldern der Provinz Yunnan in China bei der Bekämpfung von Tumoren und mikrobiellen Krankheiten als vielversprechend erwiesen.

Selbst Substanzen, die normalerweise tödlich sind, liefern uns lebensrettende Medikamente. So kann das Gift einer Schlange oder anderer Wildtiere tödlich wirken, was daran liegt, dass es ganz bestimmte Bereiche unseres Organismus zum Erliegen bringt. Doch gleichzeitig können wir daraus Erkenntnisse ziehen: So kann aus dem Gift einer Natternart ein Medikament für Herzinfarktpatient*innen gewonnen werden. Darüber hinaus liefern viele weitere Arten Mittel zur Bekämpfung von Tumoren, Schlaganfällen und Arthritis.

Artensterben bedroht unsere Gesundheit

Wenn wir unsere Umwelt zerstören, werden wir viele dieser revolutionären Medikamente erst gar nicht entdecken. Seit über einem Jahrzehnt verringert sich die Zahl von Heilpflanzen durch den Verlust des Regenwaldes in Amazonien nachweislich. Durch Kahlschlag, Bergbau und Rodungen sind Menschen tendenziell häufiger zoonotischen Krankheiten ausgesetzt – Krankheiten, die sich von Tieren auf den Menschen übertragen, so wie COVID-19.

Indem wir in Ökosysteme eingreifen und sie stören, schütteln wir Viren von ihren natürlichen Wirten ab. Wenn das passiert, benötigen sie einen neuen Wirt – und das ist häufig der Mensch selbst.

Jeder Lebensraum auf der Erde enthält potenziell unschätzbares genetisches Material, das wir nutzen können, um Leben zu retten und Leid zu verringern. Es ist schwer vorstellbar, dass wir unsere eigene Lebensgrundlage vernichten, die Gefahren für uns selbst und unsere Gesundheit vervielfachen, während wir gleichzeitig die Chancen auf Heilung zerstören. Doch genau das ist es was wir gerade tun.

Wir verbrennen Wälder rund um den Globus und betreiben Raubbau an der Tiefsee bevor wir sie überhaupt erforscht haben. Wir verursachen das sechste Massenaussterben in der Erdgeschichte in einem monumentalen Akt der Selbstzerstörung.

Es ist dringend notwendig, dass wir unser Verhältnis zur Natur ändern. Wir müssen sie erforschen, nicht zerstören. Wir müssen harmonisch mit ihr im Einklang leben, anstatt sie zu dominieren. Und wir müssen Arten schützen, um letztendlich uns selbst zu schützen. Es ist die einzige Chance, wie wir unser Überleben sichern können.