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Illegale Trawler fliehen aus Sierra Leone, um Strafverfolgung zu entkommen
Aug. 04, 2020

Illegale Trawler fliehen aus Sierra Leone, um Strafverfolgung zu entkommen

Von EJF Deutschland

Sierra Leone hat Staaten in der Region Westafrika alarmiert, nachdem drei industrielle Trawler der Festnahme im Hafen von Freetown entkommen sind. Die Jian Mei 1, die Jian Mei 4 und die Hong Chang 1 waren wegen Gesetzesverstößen sanktioniert worden. Statt ihre Strafen zu zahlen, begingen sie Flucht. Nun wurde eine regionale Suche eingeleitet, um sie ausfindig zu machen und nach Sierra Leone zurückzuführen.

In Sierra Leone macht die Fischerei rund 9% der Wirtschaftskraft aus. Sie liefert Zehntausenden Menschen Arbeitsplätze und ist überaus wichtig für die Nahrungsversorgung der Bevölkerung. Doch illegale Fischerei ist ein ernstes Problem in der Region. Industrielle Trawler zerstören die marinen Ökosysteme und untergraben die lokale Fischereiindustrie.

In den vergangenen Monaten nahmen Behörden drei Fischereifahrzeuge – die Jian Mei 1, die Jian Mei 4 und die Hong Chang 1 – fest und verhängten Sanktionen. Einheimische Fischer hatten dokumentiert, wie die Schiffe offenbar in Küstengewässern operierten, in denen die industrielle Schleppnetzfischerei verboten ist. Die drei Schiffe wurden im Hafen von Freetown festgehalten, während die Regierung auf die Zahlung von Bußgeldern wartete. Doch am 27. Juli flohen alle drei Schiffe aus dem Hafen.

Die Flucht der Schiffe wurde durch Briefe der Ministerin für Fischerei und Meeresressourcen offiziell bekanntgegeben. Die verschwundenen Trawler "stünden wegen Verstößen gegen Gesetze und Vorschriften Sierra Leones unter Arrest [und] hätten das Land am 27. Juli 2020 illegal verlassen, ohne die gegen die auferlegten Sanktionen zu erfüllen." Die Behörden vor Ort gaben an, sie wüssten nicht, wo sich die Schiffe aktuell befinden und haben nun an die Nachbarstaaten appelliert, ihnen bei der Lokalisierung und Rückführung zu helfen.

Die Nationalität der Schiffseigner wurde nicht überprüft. In den letzten Monaten hatten chinesische Industrietrawler mehrfach versucht, im Senegal, in Ghana und in Liberia zu fischen, und stießen dabei auf den Widerstand lokaler Fischereiverbände. China Dialogue Ocean schätzt, dass 75% der Trawler in Sierra Leone in Verbindung mit China stehen.

Dieser Vorfall verdeutlicht die Notwendigkeit von Transparenz in der weltweiten Fischereiindustrie, einschließlich einer obligatorischen weltweiten Registrierung von Fischereifahrzeugen. Nur so kann verhindert werden, dass Schiffe einfach ihre Identität wechseln und sich in einem anderen Land Fischereilizenzen ausstellen lassen. Regierungen in ganz Westafrika müssen jetzt eng zusammenarbeiten, um zu ermitteln, wohin die Schiffe geflohen sind und ihre Rückkehr nach Sierra Leone sicherzustellen.