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Dez. 16, 2022

EJF deckt auf: Illegale Fischerei in den Gewässern Senegals

Von Environmental Justice Foundation Deutschland

Im Senegal bedroht die illegale Fischerei die Ernährungssicherheit und den Lebensunterhalt von Hunderttausenden von Menschen. Die Fischerei trägt fast 1,8 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bei und schafft über 600 000 Arbeitsplätze ­– sie ist von riesiger Bedeutung für das ganze Land. Viele Küstengemeinden sind auf die handwerkliche Fischerei angewiesen. Doch die illegale, unregulierte und nicht gemeldete (IUU-)Fischerei und eine undurchsichtige Industrie bedroht ihre Lebensgrundlage.

Im Senegal ermöglichen es intransparente Strukturen im Fischereisektor, dass Trawler riesige Mengen an Fisch fangen können. Dadurch werden wichtige Fischpopulationen dezimiert und lokale Kleinfischer, die sich an alle Vorschriften halten, vom Markt verdrängt. Transparenz ist ein entscheidendes Instrument, um dieses Problem zu bekämpfen.

Leider sind Daten und Prozesse zum politischen Entscheidungsprozess, der den Fischereisektor betrifft, nicht öffentlich einsehbar. Die Regierung Senegals ist allein nicht in der Lage, illegale Aktivitäten zu unterbinden. 2021 wurde daher ein EJF-Büro in der senegalesischen Hauptstadt Dakar eröffnet, um die Gemeinden vor Ort dabei zu unterstützen, selbst Maßnahmen zum Schutz ihrer Gewässer zu ergreifen.

Am 15. November 2022 organisierte das EJF-Team vor Ort eine Konferenz an der Cheikh Anta Diop Universität in Dakar zum Thema partizipative Überwachung, um zu demonstrieren, wie Kleinfischer und lokale Behörden gemeinsam das Geschehen vor der Küste überwachen können. Dafür arbeiteten wir mit dem Ministerium für Fischerei und maritime Wirtschaft, einer Reihe von Netzwerken der Zivilgesellschaft und der Universität zusammen. Die Konferenz war ein wichtiger Schritt im Kampf gegen illegale Fischerei und zeigte, dass die Regierung Senegals bereit ist, in diesem Bereich mit der Zivilgesellschaft zusammenzuarbeiten.

Die Smartphone-App „DASE“, was im ghanaischen Dialekt Fante „Beweis“ bedeutet, ist ein wichtiges digitales Mittel, mit dem Nutzer*innen Beweise für illegale Fischerei oder anderweitige Verstöße direkt aufzeichnen und die offiziellen Behörden über den Standort und den Namen des operierenden Schiffes benachrichtigen können.

Die App wurde so konzipiert, dass sie für Kleinfischer und lokale Behörden unkompliziert und praktisch zu bedienen ist: Sie lädt Daten und Beweise nachträglich hoch, wenn auf See kein Internet zur Verfügung steht und benötigt wenig Speicherplatz auf dem Telefon. Die App wurde bereits in Ghana und Liberia erfolgreich eingeführt.

Sowohl die Veranstaltung als auch unser neuer Film, der bei der Veranstaltung erstmals gezeigt wurde, kamen sehr gut an. Vor allem Student*innen zeigten großes Interesse und wollten mehr über Schulungen zur partizipativen Überwachung erfahren. Es ist inspirierend zu sehen, dass zukünftige Führungskräfte im Senegal bereit sind, gegen illegale Fischerei vorzugehen und mehr Transparenz innerhalb des Sektors zu schaffen – wir hoffen, diesen Ehrgeiz weiter stärken zu können.

Seit vielen Jahren arbeitet die EJF in Westafrika daran, illegale Fischerei zu beenden und Fischbestände für die kleinen handwerklichen Fischer, die von ihnen abhängig sind, wiederherzustellen. Auf unserer Reise in den Senegal besuchte das Team den Fischereihafen von Dakar, um über unsere Arbeit aufzuklären und Kontakte zu den Menschen vor Ort zu knüpfen.

Neben der Einführung der „DASE“-App machen wir uns auch dafür stark, dass Kleinfischer eine Rolle im Co-Management des Fischereisektors übernehmen und ihre Ideen und Anliegen einbringen. Zudem fördern wir alternative Einkommensmöglichkeiten, um neue lokale Wirtschaftszweige abseits der Fischerei zu schaffen. In Liberia beispielsweise konnten wir dabei helfen, Verbände für kooperatives Management (CMAs) zu gründen. Die CMAs geben den lokalen Gemeinschaften ein Mitspracherecht bei der Bewirtschaftung ihrer Fischereien sowie ein Netzwerk und die Mittel, um Transparenz sowohl im Fischereimanagement als auch auf See zu gewährleisten.

Im Rahmen unserer Arbeit in ganz Westafrika erhalten Fischer und andere Menschen, die direkt unter den Auswirkungen illegaler Fischereipraktiken leiden, die Mittel und Werkzeuge, die sie brauchen, um die Ausbeutung ihrer Gewässer ein für alle Mal zu beenden. Auch im kommenden Jahr werden wir weiter eng mit lokalen Gemeinden und nationalen Behörden zusammenarbeiten, um der illegalen Fischerei in Westafrika ein Ende zu setzen und eine sichere, nachhaltige Zukunft zu gewährleisten.