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Wie illegale Fischerei gestoppt werden kann
Sep. 09, 2020

Wie illegale Fischerei gestoppt werden kann

Von EJF Deutschland

Jeder fünfte Fisch stammt aus illegaler, nicht gemeldeter und unregulierter Fischerei. Jährlich kostet sie die Welt bis zu 23 Milliarden US-Dollar. 90% der großen Meeresfische haben wir seit Beginn der industriellen Fischerei Anfang der 1950er Jahre verloren. Gleichzeitig geht die Ausbeutung der Ozeane nicht selten Hand in Hand mit schweren Verstößen gegen Menschenrechte, wie Menschenhandel, Zwangsarbeit und Sklaverei.

Ohne Transparenz in der globalen Fischereiindustrie sind skrupellose Schiffsbetreiber in der Lage, enorme Verwirrung um ihre Identität zu säen und einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen: Sie können Schiffsnamen ändern, Eigentümerstrukturen verbergen, ihre Schiffe unter Flaggen anderer Länder führen oder sogar ganz aus dem Register streichen.

Entscheidende Instrumente, um den Missbrauch auf See zu beenden, sind daher überraschend simpel: die Veröffentlichung sowie der Austausch von Informationen, z.B. Schiffslizenzlisten, Genehmigungen und Eigentumsangaben. Dies kann dazu beitragen, illegale Praktiken aufzudecken und skrupellose Täter zu überführen.

Die Charta für Transparenz der Environmental Justice Foundation besteht aus zehn einfachen, kostengünstigen Maßnahmen, die für jedes Land gut umsetzbar sind und eine zentrale Rolle im Kampf gegen illegale Fischerei und die damit oft einhergehenden Menschenrechtsverletzungen spielen können. Mit diesen einfachen Mitteln könnten Regierungen, gesetzestreue Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, der Einzelhandel und Verbraucher*innen zusammenarbeiten, um kriminelle Machenschaften auf unseren Ozeanen zu beenden.

Veröffentlichung von Lizenzen und Genehmigungen

Regierungen weltweit verfügen über Fischereifahrzeugregister, Lizenz- und Genehmigungslisten. Diese müssten sie lediglich auf eine offizielle Website hochladen. Eine einfache Maßnahme, die verhindern könnte, dass riesige Mengen Fisch aus den Meeren gestohlen werden.

Ein Beispiel: Im November 2018 hörte Joseph Kamara, Mitglied des EJF Fischerei-Informationsnetzes in Sierra Leone, von einem Trawler, der sich in der Küstensperrzone des Landes befand. Dieses Gebiet ist lokalen Kanufischern vorbehalten. Mithilfe der Fischer fuhr Kamara aufs Meer hinaus und näherte sich dem Schiff, um qualitativ hochwertige Fotos aufzunehmen. Diese versah er anschließend mit Geotags.

In der EJF-Zentrale setzten wir den Fall schließlich zusammen: Bei dem Schiff handelte es sich um die "Mahawa", ein industrieller Trawler, der in Guinea registriert sein sollte. Nachdem die guineischen Behörden von EJF alarmiert worden waren, leiteten sie eine Untersuchung ein und stellten fest, dass das Schiff sowohl unter guineischer als auch unter sierra-leonischer Flagge fuhr – ein Vergehen, das nach internationalem Seerecht illegal ist.

Wären die Register der Fischereifahrzeuge beider Länder öffentlich zugänglich gewesen, hätte diese "Doppelbeflaggung" durch eine Prüfung der Register mit einem Mausklick aufgedeckt werden können. Illegale Fischerei hätte so möglicherweise verhindert werden können.

Veröffentlichung der Strafen für Fischereiverbrechen

Alle Staaten verfügen in der Regel über Aufzeichnungen zu Sanktionen, die sie infolge illegaler Fischerei und Fischereiverbrechen verhängt haben. Eine Aufnahme in ein öffentliches Register würde es anderen Ländern ermöglichen, angemessene Risikobewertungen vorzunehmen, sobald sie die Erteilung einer Fanglizenz in Erwägung ziehen. Gleiches gilt für Einzelhändler*innen, die erwägen, diese Unternehmen in ihre Lieferkette zu integrieren.

Auch hier liegt ein reales Beispiel vor, das den Nutzen dieser einfachen und beinahe vollständig kostenlosen Maßnahme belegt: Anfang diesen Jahres schlug EJF Alarm, als etwa fünfzig industrielle Fischereifahrzeuge im Senegal Fanglizenzen beantragten. Wir konnten Beweise dafür vorlegen, dass mehrere der Schiffe mit illegaler Fischerei in Verbindung stehen. Die Untersuchung gestaltete sich jedoch als sehr mühsam und zeitaufwendig, da die betroffenen Staaten offizielle Informationen über entsprechende Straftaten und Verstöße nicht öffentlich zugänglich gemacht hatten.

Nachdem senegalesische Kleinfischer und industrielle Schiffseigner ihre Bedenken geäußert hatten, lehnten die senegalesischen Behörden die Anträge schließlich ab. Wäre die kriminelle Vergangenheit dieser Schiffe öffentlich bekannt gewesen, hätte die senegalesische Regierung diese Informationen sofort erhalten und eine rasche Entscheidung treffen können.

Letztendlich erfordert der Kampf gegen illegale Fischerei ein sorgfältig durchdachtes Bündel politischer Maßnahmen und internationaler Abkommen, die harmonisch zusammenwirken. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung von Transparenz ist eine einfache, sofortige und wirksame Methode, die dazu führt, dass sich illegale Schiffsbetreiber nicht länger verstecken können.